Das verschollene Kunstwerk PDF Print E-mail
Written by Jürgen Schneider   
Friday, 02 October 2009 10:20
There are no translations available.

Als im April 2005 einige CRIFA-Mitglieder den Spaten in die Hand nahmen ,um vor dem Eingang am Zwischenwerk VIII b einen wenige Zentimeter hinausragenden Stein zu entfernen, konnten sie noch nicht ahnen, welches spannende Stück Kunstgeschichte sich hinter diesem Fundstück verbergen würde. Die Überraschung war zunächst groß, als sich während der Freilegung herausstellte, welche Ausmaße der vermeintlich kleine Findling tatsächlich hatte. Es handelte sich bei dem sorgfältig behauenen  Block offensichtlich um einen ca. 1,5 Kubikmeter großen aus Muschelkalkstein gefertigten ehemaligen „Denkmalsockel“, der jedoch seines Denkmals beraubt allem Anschein nach vor dem Zwischenwerk entsorgt wurde.

 

Speer werfende Amazone am FriesenplatzDie Identifizierung dieses Objektes der Kölner Stadtgeschichte stellte wegen der wenigen Anhaltspunkte, die der Stein bot, eine kleine Herausforderung dar. Genau diese war es jedoch, welche mir als „Hobby-Historiker“ die nötige Motivation für eine Nachforschung lieferte. Neben der mehrfach abgestuften oberen Kante des Sockels waren es vor allem die diagonal angeordneten Ausbrüche, welche schon zu Beginn der Suche auf ein ehemals aufgesetztes Reiterstandbild eines Pferdes im Trab hindeuteten. Da der Stein sonst über keinerlei Beschriftung verfügte, war es vor allem das Material selbst, durch welches dank der Hilfe von Fachleuten des Bodendenkmalamtes dessen Entstehungszeit auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts datiert werden konnte.

Erst ca. zwei Jahre später ist es mir dann gelungen den Stein nach intensiver Recherche und nach dem Fund eines weiteren Teiles der Bodenplatte vor dem Zwischenwerk VIII b, im Rheinischen Bildarchiv, mit Hilfe von historischen Fotos zu identifizieren.

Das Motiv der „Speerwerfenden Amazone“ tauchte erstmals als Gemälde um 1897 im Werk des Künstlers „Franz von Stuck“ auf. Der 1863 geborene „Franz von Stuck“, der seit 1895 eine Professur an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München besaß, wurde aber vor allem durch die Gründung der „Münchner Secession“ 1892 auch international bekannt.
Nach der Gestaltung einer „Speer werfenden Amazone“ als Kleinplastik folgte dann ab 1904 die Fertigung einer Kleinserie als Bronzeguss durch die Gießerei Cosmas-Leyrer in München.
Die auf einem Pferd reitende und nur durch einen Helm bekleidete Amazone hält, den Oberkörper nach hinten geneigt, in ihrer rechten Hand den zum Wurf bereiten Speer. Das Pferd befindet sich wiederum auf einem ebenfalls zum Werk gehörenden hohen Sockel, welcher die Gesamtgröße der Skulptur auf ca. 65 Zentimeter anwachsen lässt.
Die genaue Anzahl der gefertigten Bronzeskulpturen kann heute zwar nicht mehr eindeutig nachgewiesen werden, wird aber von Fachleuten auf mindestens 20 beziffert.
Exemplare dieser Plastik, von denen  sich eine in der Ausstellung des Wallraf-Richartz Museum in Köln befindet, erzielen derzeit auf Auktionen Preise in Höhe von mehren Zehntausend Euro.

Im Jahre 1913 fertigte von Stuck im Auftrag des Kölnischen Kunstvereins zunächst ein Gipsmodell desselben Motivs der Amazone in München an, um es dann als Großplastik in Köln von der Firma Bentele & Kleefisch 1914 gießen zu lassen. Anders als bei der kleinen Ausführung wurde jedoch nur die Amazone und das Pferd in Bronze ausgeführt. Den Sockel mit einer Höhe von ca. 2 Meter fertigte man aus einem massiven Muschelkalk-Werkstein in zwei Teilen.

Unterteil des Sockels der Amazone
Abb. 2: Der zweite Fund vor dem Zwischenwerk VIII b - das Unterteil des Kunstwerksockels

Erstmals öffentlich zugänglich war das fertige Kunstwerk dann am 16. Mai 1914, wo es auf der Deutschen Werkbund Ausstellung den offenen Innenhof des Portal-Verwaltungsgebäudes schmückte.
Die auf dem heutigen Messegelände durchgeführte Ausstellung musste jedoch wegen der Kriegsereignisse vorzeitig beendet werden, was gleichzeitig einen Umzug der Amazone in den Innenhof des Wallraf-Richartz Museum am Minoritenplatz zur Folge hatte.
Erst 1922 erfolgte die erneute und vorerst letzte Umsetzung der Amazone vor das 1921 neu errichtete Ausstellungsgebäude des Kölnischen Kunstvereins auf dem Friesenplatz.
Augenscheinlich wurde der Sockel zuvor um ca. 60 Zentimeter gekürzt und so eine bessere Zugänglichkeit für den Betrachter geschaffen.
Über 20 Jahre gehörte von Stucks „Speer werfende Amazone“ dann ins alltägliche Stadtbild, bevor sie im Jahr 1943 fast unbemerkt und endgültig aus dem öffentlichen Raum verschwand.

Die genauen Umstände ihres Verschwindens sind leider bis heute nicht ganz geklärt. Als sicher kann jedoch gelten, dass sie nach leichter Kriegsbeschädigung mitsamt dem ca. 5 Tonnen schweren Sockel ins Lager des Stadtkonservators in ein Fort am Stadtrand von Köln verbracht wurde. Da es sich bei dem in der Literatur beschriebenen Fort höchstwahrscheinlich um den späteren Fundort der Sockelsteine, nämlich das Zwischenwerk VIII b handelt, müssen wir heute davon ausgehen, dass die Bronzeskulptur dort endgültig zerstört und das Metall als wertvoller Rohstoff der Verwertung  zugeführt wurde.

Da die Kölner Amazone neben den drei weiteren  in den 30er Jahren angefertigten Kopien als einziges Original noch vor von Stucks Tod im Jahre 1926 gilt, ist deren Verlust für die Kunstwelt besonders schmerzlich. Dank dieser Duplikate mit teils zweifelhafter Geschichte in der Sammlung Hermann Görings ist es dem Kunst interessierten Bürger jedoch auch heute noch möglich sich von der Schönheit dieser überaus gelungenen Großplastik persönlich zu überzeugen. Die beiden heute öffentlich zugänglichen Exemplare befinden sich vor dem Museum der „Villa Stuck“ in München und in einer zentralen Parkanlage in Eberswalde.
Der Steinsockel dieser  „Franz von Stucks“ erster Großplastik wird in Kürze vor dem Zwischenwerk VIII b aufgestellt und fortan mit einer Hinweistafel versehen, die Kölner an ein inzwischen längst vergessenes Kunstwerk erinnern.

Eine Bilder vom Freilegen des Findlings:

2004-Amazone1 2004-Amazone2 2004-Amazone3 2004-Amazone4 2004-Amazone5


Verweis: Artikel des Kölner Stadtanzeigers im Pressecenter

 
Copyright © 2009 CRIFA
Institut f����¯�¿�½���¯���¿���½����¯�¿�½������¼r Festungsarchitektur
Start Research Das verschollene Kunstwerk
porno indir Porno izle Travesti Porno Porno indir seks hikayesi escort bayan escort istanbul