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Zwei Bücher zur Festung Germersheim PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Michael Oehlrich   
Dienstag, den 10. August 2010 um 21:05 Uhr

Hans, Ludwig: 175 Jahre Festung GermersheimEine Bemerkung zuvor:

Germersheim gehört zu den wenigen deutschen Städten, die sich zu ihrer manchmal etwas schwierigen „fortifikatorischen“ Vergangenheit bekennen. Für verschiedene Festungsteile wurden Nutzungskonzepte entwickelt, die damit zu ihrer Erhaltung beitragen.  Im früheren Ludwigstor gibt es sogar ein interessantes Stadt- und Festungsmuseum.

Die Festung selbst wurde nach dem neudeutschen „polygonalen Kaponiersystem“ errichtet, welches es ermöglichte, nahezu jeden Bereich zwischen Hauptumwallung und Grabenwehr mit Geschütz- oder Gewehrfeuer zu bestreichen.

Von den einstigen Festungsbauten sind erhalten geblieben:

Zwei Stadttore – das „Ludwigstor“ und das äußerst dekorative „Weißenburger Tor“, das Zeughaus mit vorgelagerter Grabenwehr und anschließender „Carnotscher Mauer“ (Mauernteil mit Schießscharten), das ehemalige Festungslazarett und Proviantamt, Arrestgebäude, Gebäude der „Fronte Lamotte“ (einschenklige  Grabenwehr, Reduits, Teile der Hauptumwallung, ehemalige „Seysselkaserne“, Abschnitt der „Fronte Beckers“ mit Hauptumwallung, drei Walltraversen  - samt Poternen, vorgelagerter zweischenkliger , kasemattierter Grabenwehr, Deckwall, Hauptgraben und Reduits, ehemalige Defensionskaserne „Stengel“ – und einige andere.

(Verkehrsamt Germersheim, leicht verändert.)

 

 


Vorgestellt: zwei Bücher zur Festung Germersheim:

 

Hans, Ludwig: 175 Jahre Festung Germersheim, 104 S., fester Einband, mit zahlreichen Abbildungen, Germersheim, 2009

Der Preis beträgt 10,- EUR – zuzüglich 1,45 EUR Versandkosten. Das Buch ist erhältlich bei der Stadtverwaltung Germersheim, Postfach 1410, D 76714 Germersheim,

Die noch erhaltenen Bauten der ehemaligen Festung Germersheim waren lange Zeit ungeliebte Relikte einer militärisch geprägten Vergangenheit. Seit den 70 er Jahren des vorigen Jahrhunderts – und insbesondere später im Rahmen verschiedener Konversionsprojekte seit den 90 er Jahren – wurden viele der ehemaligen militärischen Gebäude baulich erhalten, renoviert, einer neuen zivilen Nutzung zugeführt und teilweise in das bestehende städtebauliche Gefüge eingegliedert.

Der Verfasser beschreibt, ausgehend von der Grundsteinlegung des Jahres 1834 die  Jubiläumsfeiern, die in den Jahren 1934 und 1984 im Kontext der jeweiligen Zeit veranstaltet wurden und zeigt dabei, wie sich Einstellung und Umgang mit dem Phänomen „Festung“ gewandelt haben. Die baulichen Relikte einer längst untergegangenen Epoche können mittlerweile als städtebauliches Erbe und als Bestandteil lokaler historischer Identität betrachtet werden

So werden ehemalige Kasernen, Fronten und Reduits für kulturelle Zwecke genutzt, es gibt ein Festungsmuseum und viele andere Teile gelten als touristische Attraktionen im Rahmen von Festungsführungen.

Die Stadt Germersheim zeigt uns - und auch anderen „Festungsstädten“ – wie man  militärische Zweckbauten der Vergangenheit erhalten und einer zeitgemäßen sinnvollen Nutzung zuführen kann.

Die Festungsbauten des 19. Jahrhunderts verdienen ebenso Denkmalschutz - wie manche entsprechenden Verwaltungsbauten aus dieser Zeit

Liebhaber einer mittlerweile klassischen „architectura militaris“ sollten die Festung Germersheim bei ihren Reisplanungen berücksichtigen. Es lohnt sich!

 


Ball, Georg: Die geschleifte FestungBall, Georg: Die geschleifte Festung, 104 S., mit zahlreichen Abbildungen und Plänen (s/w), Speyer, 1930, 2. Nachdruck, Germersheim, 1991

Der Preis soll nach Angaben eines Mitarbeiters der Stadtverwaltung bei 10,- EUR liegen.

Das Foto zeigt den Titel der Originalausgabe von 1930.

 

In diesem Büchlein werden der Bau, die Entwicklung sowie  die Schleifung nach 1919 der Festung Germersheim geschildert.

1816 – nach dem Ende des napoleonischen Empires werden der Pfalzkreis und die Festung dem Königreich Bayern unterstellt. 1832 sollte nach einem Beschluss der deutschen Bundesversammlung die Stadt als Festung nach den Grundsätzen der neudeutschen

Befestigungslehre ausgebaut werden. Die Mittel dazu stammten aus der Kriegsentschädigung, die Frankreich nach 1815 – nach den so genannten Befreiungskriegen – zu zahlen hatte.

Die Grundsteinlegung fand schließlich1834 statt. 1861 war der Ausbau der Festung  mit 6 kleinen Forts oder Vorwerken auf der linken Rheinseite und einem Brückenkopf und drei Vorwerken auf de rechten Rheinseite,  einschließlich der Minensysteme- und Gänge vollendet. Nach Angaben des Autors sollen 1866 rund 469 Geschütze verschiedener Art und Kaliber vorhanden gewesen sein.

Ihre Aufgabe sollte es sein, Verkehrswege und vor allem zwei wichtige Schiffsbrücken über den Rhein zu schützen. Nach dem deutsch – französischen Krieg 1879 /. 71 galt sie bereits als veraltet. Ein weiterer Ausbau war vorgesehen, wurde aber nicht realisiert.

Trotz der Schleifungen in den Jahren 1920 und 1921 sind noch zahlreiche Bauteile im Bereich der Stadtumwallung erhalten, so dass ein Besucher heute noch einen Eindruck vom Bau und der Funktion einer Festung aus dem 19. Jahrhundert erhalten kann.

Besonders aufschlussreich finde ich die Karte 1 : 12 500, welche der Autor von der fertigen Festung gezeichnet hat und einen Plan der Befestigung der Südwestfront mit eingezeichneten Feuerlinien.

 
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