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Steinbach, Matthias: Abgrund Metz PDF Drucken E-Mail
Bücher
Geschrieben von: Michael Oehlrich   
Samstag, den 20. Januar 2007 um 19:26 Uhr

Abgrund Metz - Buchbesprechung
Steinbach, Matthias
:
Abgrund Metz – Kriegserfahrung, Belagerungsalltag und nationale Erziehung im Schatten einer Festung 1870 / 71
167 S., fester Einband, Pariser Historische Studien Bd. 52
Oldenbourg Verlag München, 2002

Das Buch ist eine lohnende Anschaffung für diejenigen, die mal eine etwas andere Darstellung dieses Krieges lesen wollen.

Dargestellt werden die Vorgeschichte, die ersten Kämpfe in Lothringen – mit den Schlachten von Gravelotte und Mars-la-Tour, sowie insbesondere die Belagerung der Festung Metz, deren Kapitulation und die militärischen und politischen Folgen daraus.

Es war kein „frisch-fröhlicher“ Feldzug, wie ihn die Deutschen früher gerne stark heroisierend beschrieben haben.

Die vorhandenen, zum Teil noch unfertigen Festungswerke konnten die Deutschen auf gebührende Distanz halten.

Der Belagerungsalltag verlief für die Soldaten und für die Zivilisten gleichermaßen fürchterlich – wie man es eher von späteren Kriegen gelesen hat. Während die Deutschen unter den Folgen der Schlachten von Gravelotte und Mars-la-Tour, an der schlechten Witterung, einem deutlichen Ausrüstungsmangel und allgemeiner Quartiernot litten, zwang die in die Festung gedrängte französische Rheinarmee letztlich der Hunger und organisatorisches Chaos in die Knie. Ruhr und Typhus breiteten sich beiderseits der Belagerungslinien aus und konnten durch mangelhafte medizinische Betreuung nicht ausreichend bekämpft werden. Besonderes schlimm war die Lage der Verwundeten, deren Überlebenschancen nur gering waren.

Am 27. Oktober 1870 endete die Belagerung von Metz. Die rund 173 000 Mann umfassende Rheinarmee marschierte in die Gefangenschaft. Ihr Befehlshaber musste sich später vor einem Kriegsgericht verantworten. Der weitere Verlauf dieses Konfliktes ist bekannt.

Metz fiel an das Deutsche Reich – und wurde bis 1914 zu einer der stärksten Festungen des Kaiserreiches ausgebaut.

 

Gelernt hatte die arrogante preußisch-deutsche Generalität daraus nicht. Sie blieb gedanklich im 19. Jahrhundert stecken.  44 Jahre später trieb sie tausende von jungen, hoch motivierten, aber unzureichend ausgebildeten Soldaten bei Langemarck, Ypern und Passchendale in die Maschinengewehre und das gezielte Feuer der britischen Berufsarmee.

 
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